Insight Out
Abstrakter, metaphorischer, philosophischer: Nach The Other Side of Light entfernt sich Andreas Gefeller in der neuen Werkserie Insight Out noch weiter von der offen sichtbaren Welt, um an anderer Stelle einen Zugang zu Vorgängen zu finden, die sich unseren Blicken und unserem Verständnis entziehen, aber unser Leben mehr und mehr bestimmen.
Wie Myzelien im Erdboden stoffwechselt das algorithmische Geflecht unter den Oberflächen von Bildschirmen und Rechenzentren, künstliche Intelligenz erwacht zum Leben und reproduziert sich selbst. Längst bestimmen nicht mehr fühl- und sichtbare Dinge den Alltag der Menschen, sondern artifizielle Scheinbilder, die die Realität imitieren. KI-generierte Nachrichten, Chatbots und personalisierte Angebote bauen jedem Einzelnen eine individuelle Realität. Die Fähigkeit des Sehens verliert an Bedeutung und dient vornehmlich der Vermittlung von Informationen an den Schnittstellen zwischen Mensch und Computer. Doch wie sieht dieser Raum jenseits des analogen, haptisch erfahrbaren Universums aus?
Gefeller entwirft mit fotografisch konstruierten Bildern eine Gegenwelt, die Visualisierungen von digitalen Vorgängen sein könnten. Das verwendete Ausgangsmaterial mag auf den ersten Blick banal erscheinen, bildet aber nach dem fotografischen Prozess eine vielschichtige Struktur, die ein sichtbares Gefühl für nicht mehr nachvollziehbare, komplexe Datenzusammenhänge erzeugt.
Schaum ist Form, die vergeht. Ein fragiles, ephemeres System, das durch seine Grenzen sichtbar wird, nicht durch seinen Inhalt. Gefeller fixiert diesen Zustand, indem er das luftige Gebilde einem Tomographen gleich Schicht für Schicht seziert und digital rekonstruiert. Das Ergebnis ist mehr als ein Bild: ein tiefer Raum mit einer organisch wirkenden Topografie aus Linien, Fäden und Knotenpunkten. Ein Kontinuum von Ordnung bis Chaos und von Nähe bis Unendlichkeit, das zum Modell für Wandel und Übergang wird.
Der Blick in das dreidimensionale Gefüge wird zur Metapher für das Streben nach Wahrheit. Die vermeintlich sinnstiftende Ordnung der Makroebene verspricht Antworten und lädt zu näherer Betrachtung ein, die Deutung verliert sich jedoch in der Tiefe.
Andreas Gefeller arbeitet im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Philosophie und Kunst. Und schafft Bilder, die das Denken spiegeln, indem sie sich ihm entziehen.